Hofkino: „Ah, Kopfhörer?“

kino_2Seit zwei Jahren veranstaltet das FMP1 in Zusammenarbeit mit dem b-ware! Ladenkino im Sommer ein Hofkino. Robert D. Meyer sprach mit FMP1-Mitarbeiterin Jenny Schindler über Filmgenuss mit Kopfhörer, die knallharte Konkurrenz im Berliner Sommer und Cineasten, die selbst im strömenden Regen keinen Film verpassen wollen.

Was war dein bisheriger Favorit der diesjährigen Sommerkinosaison?
Jenny: So abwechslungsreich wie der Sommer wettertechnisch war, waren auch die bei uns im HOFKINO gezeigten Filme. Einen klaren Favoriten gibt es für mich nicht, aber es waren ein paar wirklich interessante Werke dabei: „High Rise“ – dystopische Zukunft in einem Wolkenkratzer, „Ein Mann namens Ove“ – schwarzer Humor aus Skandinavien, „The Big Short“ – die Verruchtheit des gesamten Finanzmarktes in einem Film oder auch „Das brandneue Testament“ – Gott lebt und zwar in Belgien.

Da man sich nicht immer auf das Wetter verlassen kann, steht bei uns das Kinoprogramm nicht mit Beginn der Saison fest. Wir gestalten unser Programm im 2 Wochen-Modus und können somit den Spielplan an Wetter und Interesse der Zuschauer zeitnah angleichen.

Für das Hofkino war es die zweite Saison: Wie war der Zuspruch der Leute bisher?
Der doch recht spontane Start mit dem HOFKINO am Franz-Mehring-Platz 1 (FMP) im letzten Jahr war mit über 3500 Zuschauer in 2 Monaten überragend. Grund dafür war der fantastisch warme Sommer und der Berliner Film „Victoria“, den einfach alle sehen wollten.

Dieses Jahr ist das Wetter leider etwas zu unbeständig gewesen und es fehlte der eine Kassenknüller. Mit der EM im Juni gab es zusätzlich noch visuelle Konkurrenz, selbst bei schönem Wetter. So das wir etwa ein Drittel an Gästen im Vergleich zum letzten Jahr zu Besuch hatten.

Und den Leuten gefällt es hier?
Ich denke schon, denn Sie kommen immer wieder. Unser Standort ist aber auch schon etwas Besonderes: Fern ab von typischen Spazierwegen und Biergärten versteckt mitten im Innenhof eines Bürogebäudes. Aber jeder der den Weg hierher findet war mehr als positiv überrascht. Es ist grün, gemütlich, intim und eben nicht überlaufen. Ein richtiges Kiezkino wenn man so will. Aber nicht nur die Location an sich auch unser Soundkonzept begeistert unser Gäste. Bei uns kommt der Ton nämlich nicht aus großen Boxen, sondern auch handlichen Kopfhörern. Ein absolutes Erlebnis für Cineasten – endlich Open-Air ungestört einen Film genießen. Kein raschelndes Popcorn, keinen nervigen Sitznachbarn, der spoilert – alles kein Thema, denn du bist in deiner eigenen Welt und kannst dich voll und ganz auf den Film konzentrieren.

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Du hast das Konzept mit den Kopfhörern bereits angesprochen. Für ein Kino ist das eher untypisch. Wir reagieren die Leute darauf, zumal wenn sie solch eine Form des Filmesehens noch nicht kennen?
Eigentlich sehr offen und interessiert. Erst kommt meist ein vorsichtiges: „Ah, Kopfhörer?“ Doch weil die Einweisung innerhalb von drei Sekunden erledigt ist – hier stellst du laut und leise und wenn etwas nicht stimmt, kommst du zurück – sind bisher alle zufrieden damit gewesen. Man erlebt den Film eindeutig intensiver. Seit diesem Jahr haben wir auch eine große 30-Quadratmeter Leinwand. Dann schaust du da im Dunkeln drauf und hast dieses gestochen scharfe, klare, helle Bild und den Ton auf den Ohren. Du wirst einfach Teil des Films und dann ist ein tolles Erlebnis.

Aber die Kopfhörer haben auch andere Vorteile. Wenn das stille Örtchen ruft behält man Sie einfach auf und verpasst nichts vom Film. Oder wir hatten zum Beispiel einmal einen Gast, der sehr schwerhörig war und deshalb sonst gar nicht ins Open Air Kino geht. Für ihn kann es nie laut genug sein. Mit unseren Kopfhörer saß er zufrieden mit aufgedrehter Lautstärke im Liegestuhl.

Obwohl der Sommer offiziell zu Ende ist, wollt ihr in die Verlängerung gehen.
Die letzten Wochen waren ja eher Frühling und Herbst und Hochsommer im Dauermix, so dass wir die schönen Spätsommertage auf jedenfall noch auskosten werden. Unseren Gästen, das muss gesagt sein, war das Wetter jedoch teilweise absolut egal und Sie standen mit Decken und Regenponchos bei 15 Grad im Hof und wollten Kino – Weil wir einen kleinen Indoorbereich haben, platzierten wir die Zuschauer kurzerhand dann hinter die Glasfront und ließen Outdoor den Film auf der Leinwand laufen und Dank der Köpfhörer war der Sound ja auch kein Problem.

Was du erzählst, spricht jetzt aber schon dafür, dass wir uns auch auf ein Hofkino im nächsten Jahr freuen dürfen?
Im Vergleich zum Vorjahr haben wir dieses Saison technisch etwas aufgerüstet: Große Leinwand, starker Beamer, funktionierende Kopfhörer – Alles spricht dafür, dass wir das HOFKINO im nächsten Jahr wiederholen können. Fragen: Robert D. Meyer

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