Austellung: Flucht vor dem Krieg in Syrien

Der zweijährige Hamza liegt müde, aber glücklich, in den armen seiner Mutter Hedaya (26). Die junge Frau und ihr Sohn sind nur knapp dem Bürgerkrieg in Syrien entkommen. Dass der Junge noch lebt, ist ein kleines Wunder. Ursprünglich stammt die kleine Familie aus Homs, eine der frühen Hochburgen des Protests gegen die Assad-Regierung. Die Stadt ist schon in einer frühen Phase des Bürgerkriegs heftig umgekämpft. Hedaya verlässt ihr Haus, um bei ihrem Onkel um Rat zu fragen. Als sie heimkehrt, liegt ihr Hab und Gut in Trümmern – getroffen von einer Rakete. Rettungskräften gelingt es, Hamza lebend zu bergen. Für die Familie beginnt eine Irrfahrt auf der Flucht Richtung des Nachbarlandes Jordanien. Heydaya, ihr Mann Muzal und ihr Sohn Hamza gelingt schließlich der illegale Grenzübertritt. 120 Dollar zahlen sie dafür an Schleuser. Doch die Drei haben Glück. Nach weiteren 20 Tagen Suche nimmt sie eine Familie in der Region Al-Mafraq bei sich auf. An eine Rückkehr ist vorerst nicht zu denken, denn Heydaya hat die Assad -Gegner offen unterstützt. Arbeit, um unter anderem die Behandlung ihres Sohnes zu bezahlen, ist für die nicht registrierten Flüchtlinge nur schwer zu bekommen.

„nd“-Fotograf Camay Sungu war im November 2012 für eine Fotoreportage über syrische Flüchtlinge in Jordanien unterwegs.

Schicksale wie diese sind es, die der nd-Fotograf Camay Sungu auf seiner Reise nach Jordanien suchte und in Bildern festhielt. Einige Aufnahmen sind in einer Ausstellung seit vergangenem Freitag im Foyer des Verlagesgebäudes der Tageszeitung „neues deutschland“ zu sehen. Sungu reiste dafür vergangenen November an die syrisch-jordanische Grenze. Laut des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) halten sich in der Region momentan etwa eine halbe Million registrierter Flüchtlinge auf. Hinzukommen nach Schätzungen weitere 100 000 bis 150 000 Unregistrierte, deren Schicksale den Fotografen besonders bewegen. Vieler Syrer melden sich nach ihrer Flucht über die jordanische Grenze nicht bei den Behörden, da sie Angst vor Verfolgung durch den syrischen Geheimdienst haben, der auch im Ausland operiert. Gleichzeitig befürchten viele Flüchtlinge, dass die in Syrien oft zurückgebliebenen Familienmitglieder verfolgt würden, wenn Assad  treue Gruppen von der Flucht erfahren.

Bevor Camay Sungu im Jahr 2009 in die Dienste des „nd“ trat, arbeitete er für verschiedene renommierte Agenturen, darunter Reuters und AP. Sungu ist zudem für den nd-Leserpreis 2013 des »Verein der Freunde der sozialistischen Tageszeitung Neues Deutschland« nominiert.

Die Ausstellung kann derzeit im nd-Foyer, Franz-Mehring-Platz 1, bestaunt werden. Der Eintritt ist frei.

(Text: Robert D. Meyer, Fotos: Ulrike Roche)

 

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