Kunstsalon „Von der Faszination verlassener Orte“

Lost Places, verlassene Orte, Gebäude, Räume oder Plätze üben seit jeher eine magische Anziehungskraft auf Künstler_innen aus. So unterschiedlich deren Motive, Stilmittel, Techniken oder Ausdrucksformen, sie alle waren Dokumentaristen des Vergehenden in ihrem Heute. Die Werke künden vom Zerfall und Umbruch großer, aber auch kleiner Verhältnisse. Eine Zukunft ist offen. Der rasante Wandel der gesellschaftlichen Strukturen der letzten beiden Jahrzehnte hat eine Vielzahl solcher Orte neu hervorgebracht. Sie prägen das Bild von Städten, Stadteilen oder Landschaften. Sie sind Gegenstand der Abbildung und Aneignung.

Welchen Reiz diese verlassenen Orte auf junge, kreative Menschen ausüben, wie sie diese sehen, besetzen und welche Zukunft daraus erwächst, wollen wir am gerne am 28.03.2014, 18.30 Uhr im FMP 1 mit Künstler_innen diskutieren. Die Künstler werden ausgewählte Arbeiten im Raum präsentieren. Anschließend offene Diskussion bei Snacks und Drinks mit Musik von Marc Hönninger (electro acoustic musician / Fotograf).

Eintritt ist frei, um Anmeldung wird unter info@franzmehringplatz.de gebeten. Einladung als PDF.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind

Mathias Wrobel – Graffitikünstler aus Wolfen, Sachsen Anhalt, Mitinitiator der Kultureihe „Projektionsflächen“ im ehemaligen Filmtheater Wolfen

„Meine Faszination für das Sprühen entstand wie bei vielen Jugendlichen auf der Straße, im Viertel bzw. im Umkreis der Heimatstadt im Jahr 2002. Mein erstes Atelier bezog ich im Jahr 2007. Es befand sich im Luftschutzkeller der Verbandsstation der ehemaligen Filmfabrik. Leinwände gestalte ich seit dem Jahr 2005. Im Jahr 2011 konnte ich mir mein Atelier im Leichenhaus des ehemaligen Wolfener Kreiskrankenhauses einrichten.“

Angaben zur Technik

„Die Motive der Leinwände sind eigene Fotografien und beschäftigen sich hauptsächlich mit Industriearchitektur und –kultur sowie Industrie im urbanen Raum. Die digitale Aufnahme wird auf dem Computer bearbeitet und zu einem Schwarz-Weiß-Bild umgewandelt, ohne Grauabstufungen. Je nach Leinwandgröße wird ein solches Bild dann mit Hilfe eines Großkopierers auf das gewünschte Format gebracht. Wesentliche Elemente des Ausdrucks schneide ich als Schablone aus. Aus einer Kombination der Übertragung dieser Matrize mit schwarzer Farbe und der künstlerischen farblichen Ausgestaltung mittels Sprühdosen entsteht die fertige Leinwand. Details werden mit Pinsel herausgearbeitet. Der letzte Schritt ist eine Versiegelung mit aufgesprühtem Klarlack.“

nächste Ausstellung: 04.-27.04. 2014   Fotoausstellung im ehem. Filmtheater Wolfen

www.twister-artworks.de

Maria Turik – Bildhauerei Studentin, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Im Rahmen der Hochschulpartnerschaft mit dem Instituto Superior de Arte, der führenden Einrichtung der künstlerischen Ausbildung in Kuba, hatten 8 Studierende aus Halle im Frühjahr 2013 die Möglichkeit im intensiven Austausch mit kubanischen Studierenden die Stadt zu erkunden und an eigenen Projekten zu arbeiten. Frau Turik widmete Ihre Abreit dem Hafen Havannas:

Teile des Hafens von Havanna sind seit Jahrzehnten kaum im Betrieb, die Betonbauten bröckeln, werden von Wind und Wasser zersetzt. In den Ruinen des langen Stegs liegen Bruchteile der Maschinen, Arbeitsausrüstung, Büroausstattung, auf dem Boden ein dicker Teppich aus Papieren, die alle Abläufe und Vorschriften der täglichen Routine eines Großbetriebs festgehalten haben.

Die Künstlerin hat dem Ort Objekte und Dokumente entnommen, sowie Fotos und Videos aufgenommen. Nach den vor Ort gefundenen Vorlagen erstellte sie ein Empfangsformular, welches für jede Entnahme ausgefüllt und unterschrieben wurde, so wie es der geschäftliche Arbeitsablauf im Hafen verlangt. Das Dokument verblieb in den Hafenruinen, während eine Kopie davon, zusammen mit den entsprechenden Objekten, in den Räumen der  Universität der Künste in Havanna (Instituto Superior De Arte) präsentiert wurde.

Enno Seifried – Fotograf, Maler, Regisseur der Dokumentarfilme „Geschichten hinter vergessenen Mauern“ – Lost Places in Leipzig

Ob Zentrumsnah oder in den Randgebieten, kann man in und um Leipzig unzählige architektonisch beeindruckende Bauwerke bestaunen, die seit 20 Jahren und mehr leer stehen und auf Abriss oder Neunutzung warten. Auf der Suche nach einer Umgebung, die in keinem Reiseführer steht und dennoch mehr von der Vergangenheit einer Region erzählt als so manches Geschichtsbuch, begeben wir uns mit diesem Dokumentarfilm auf die Spur von so genannten Lost Places in und um Leipzig.

Neben einer Erzählerin (Nina Maria Föhr), ergänzen Gespräche mit Zeitzeugen, Investoren, Visionären und Politikern den Film. Weiterhin gibt es zahlreiche Interviews mit Menschen, die sich selbst als Ruinenromantiker bezeichnen. Als Künstler, Fotografen, Videofilmer, Musiker, Geocacher oder Urban Explorer sind sie auf der Suche nach kleinen Abenteuern im sonst erschlossenem Stadtraum.

Es geht um Gründe und Hintergründe für Mythos, Faszination und Neugestaltung. Und vielleicht bietet dieses Dokument auch eine Möglichkeit, zum erfassen geschichtlicher Vergangenheit auf der Suche nach Zukunft im existierendem Lebensumfeld. Und auch wenn sich dieser Dokumentarfilm an den Locations und Geschichten in und um Leipzig orientiert, behandelt der Inhalt Themen, die weit über die Grenzen der Stadt hinausreichen.

www.lostplace-dokfilm.de

Ludwig Geßner, Heiko Maier, Aleksandr Delev – ArchitekurApotheke Leipzig

Die ArchitekturApotkeke ist ein interdisziplinäres Kollektiv aus Weimar, Leipzig und Dresden. Als Studierende verschiedener Fachrichtungen wie Architektur, Urbanistik, Soziologie und Kunst haben wir diese Plattform gegründet, um neue Konzepte zur Betrachtung und Gestaltung unserer Umgebung zu entwickeln. Wir realisieren einerseits unsere eigenen Ideen und zugleich forschen wir an den verschiedenen Aspekten urbaner Kultur.

Mit der Initialausstellung „Umnutzung“ setzten wir uns konzeptuell mit Ansätzen zu Umnutzung bestehender Architektur auseinander. Das Konzept des ersten Teils der Ausstellung beruhte auf der Erkenntnis des wertvollen architektonischen Erbes der Stadt Leipzig, welches oft in Vergessenheit gerät. Unsere Absicht war dabei, Potenziale diesen Erbes für neue Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dazu stellen wir verschiedene dokumentarische Arbeiten zum Stadtteil Reudnitz aus, in dem sich das Ausstellungshaus befindet. Im zweiten Teil der Ausstellung präsentierten wir konkrete Ergebnisse praktischer Auseinandersetzungen mit Umnutzung. Hierzu wurden ausgewählte studentische Arbeiten von verschiedenen europäischen Universitäten gezeigt. Außerdem stellten wir nach gemeinsamer Vorbereitung mit den beteiligten Architekten realisierte Projekte vor, wie z.B. eine Tankstelle in London, die zu einem Kino transformiert wurde, sowie den Umbau einer Plattenbauwohnung in Berlin.

Die Publikation „Stories of Reusing Vacant Spaces“ hält die Einzigartigkeit verschiedener Umnutzungsprojekte aus Leipzig fest und macht sie so zugänglich für ein breiteres Feld. Das Magazin ist eine Sammlung mit Informationen über verschiedene Initiativen aus dem kreativen Feld Leipzigs. Alle Initiativen haben eines gemeinsam, sie gestalten Leerräume neu und nutzen diese so um.

www.architekturapotheke.de

 Juliane Eirich – Fotografin

„Als ich 14 war bekam ich von meinem Vater eine alte Videokamera. Ich machte duzende kleine Filme zusammen mit Freunden. Die meisten entstanden auf dem Gelände eines stillgelegten Militärflughafens in der Nähe meines Heimatorts. Das war eine sehr prägende Zeit und ich denke, dass daher meine Leidenschaft für verlassene Orte, aber auch für Orte im Allgemeinen wurzelt. Es klingt banal, aber als diese Kamera kaputt ging wechselte ich zur Fotografie.

In meinen Arbeiten interessiert mich die Beziehung von Mensch und Natur. Es fasziniert und unterhält mich, wie es sich Menschen auf dieser Welt gemütlich machen und sie sich einrichten. Obwohl ich mich sehr für Menschen (und Biographien) interessiere, tauchen in meinen Arbeiten nur die Spuren auf, die Menschen hinterlassen. Ein Thema zu dem ich immer wieder zurückkehre sind Orte, die tagsüber sehr belebt sind und nachts Ihren Nutzen verlieren, das heisst für kurze Zeit verlassen sind. Die Serie Ships 1-6, entstand 2007-2008 in Gunsan, Südkorea.“

„`Ship 1-6´ zeigt Fischerboote am Rande einer Autobahn. Strand und Meer dahinter verschwinden in der Schwärze der Nacht. Ohne sichtbares Wasser befinden sich die Boote im falschen Element. Ihre fragile Holzkonstruktion bildet einen Kontrast zur glatten Härte des Asphalts, der durch Strassenmarkierung und Leitplanken dynamisch über den Bildrand hinausweis, während die Boote träge im Bild liegen. Form und Funktion dieser einfachen Schiffe erinnern an eine jahrhunderte alte Praxis, die durch die Beschleunigung der Moderne gleichsam aufs trockene gesetzt wird. Gegen moderne Containerschiffe und schwimmende Fischfabriken, deren Waren dann zügig über Autobahnen die Verbraucher erreichen, erscheinen die einfach gebauten und sorgfältig lackierten Fischerboote hilflos und rückständig. Sie bleiben am Ran als pittoreskes Ornament aus einer längst vergangenen Zeit. Die Nacht hinter ihnen wird zum musealen Rahmen. Die wie gemalte Portraits inszenierten Bilder von Juliane Eirich entfalten den forschenden, insistierenden Blick küstlerischer Fotografie. Die Kamera fixiert einen gesellschaftlichen Raum, dessen historische Prozesssuralität durch den Blick der Fotografin offenbar wird.“ geschrieben von Marc Wrasse im Rahmen der Gruppenausstellung Mixed Signals II im Kunstverein Ulm, 2013

www.julianeeirich.com

 

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