Ausstellung: Von Havanna in die Welt

„INFORME DE RECEPTION – EMPFANGSFORMULAR“ heißt eine derzeit am Franz-Mehring-Platz 1 zu sehende Ausstellung der jungen Kunststudentin Maria Turik. Obwohl die Aufnahmen im Hafen von Havanna entstanden, steht die Ausstellung für mehr als einen verlassenen Industriestandort auf Kuba.

Kunststudentin Maria Turik zur Eröffnung ihrer Ausstellung am FMP1. Foto: Robert D. Meyer

Es war wie der Zufall, erinnert sich Maria Turik, der ihr zur Hilfe kommt und sie zu ihrer Ausstellung inspiriert. Die Kunststudentin im dritten Semester nimmt gemeinsam mit sieben anderen Kommilitonen der Kunsthochschule Halle im Frühjahr 2013 an einer zweiwöchigen Exkursion nach Kuba teil. In der Hauptstadt Havanna treffen die jungen Künstler auf Studenten des Instituto Superior de Arte. Bei einem Rundgang durch die Stadt landet Turik eher zufällig in dem seit Jahren stillgelegten Teil des Hafens von Havanna. Was sie dort zu sehen bekommt, begeistert Turik augenblicklich: Längst hat der Zahn der Zeit auf den früheren Hafengelände seine Spuren hinterlassen. Von vielen Gebäuden existieren nur noch Ruinen – überall auf dem Areal liegen Überreste verstreut, die darauf hindeuten, dass hier noch vor wenigen Jahren ein geschäftiges Treiben geherrscht haben muss. Rostige Maschinenteile, Arbeitsausrüstung, ein ganzer Teppich aus Papier – längst nicht mehr jeder Gegenstand lässt auf den ersten Blick erahnen, wessen Zweck er einst im Hafen von Havanna erfüllt hat. Dinge, die vermeintlich keinen Wert mehr besitzen. Eben diese Vergänglichkeit der menschlichen Zivilisation begeistert Turik.

Foto: Robert D. Meyer

Sie beginnt, einzelne Fragmente und Überbleibsel auf Fotos und in Videos festzuhalten, einige Gegenstände nimmt sie mit – andere bleiben dagegen an genau jenen Orten liegen, wo sie seit Jahren unbemerkt liegen.
Doch Turik reicht das nicht aus. Sie beginnt, die mitgenommenen und fotografierten Gegenstände zu katalogisieren, stellt fiktive Empfangsformulare aus, so als wäre der Hafen noch immer in Betrieb und in jeden Moment könnte die Hafenaufsicht um die Ecke kommen und prüfen, welche Gegenstände den Hafen erreicht oder verlassen haben. Ein Stück normaler Arbeitsalltag nur dass dieser in diesem Teil des Hafen von Havanna schon seit Jahren nicht mehr stattfindet.

Foto: Robert D. Meyer

„Es geht nicht um Kuba oder den Hafen als solches.“ Maria Turik

Die Austellung „INFORME DE RECEPTION – EMPFANGSFORMULAR“ handelt von dieser Suche nach Vergänglichkeit. Turiks Arbeit hat allerdings nichts mit der speziellen Situation in Kuba zu tun, wie de Künstlerin erklärt. Der Hafen von Havanne soll stellvertretend für all die Orte stehen, denen der Mensch aus unterschiedlichsten Gründen den Rücken gehrt hat.

Die Ausstellung „INFORME DE RECEPTION – EMPFANGSFORMULAR“ ist noch bis zum 23. Februar im Foyer des FMP1 zu sehen.

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