DIE MÜNZENBERG LEKTIONEN: Datenjournalismus

Das Bahntool der Süddeutschen Zeitung ist nur eine von vielen möglichen Anwendungen im Onlinejournalismus. Foto: Robert D. Meyer

Die Aufzeichnung der Veranstaltung können Sie hier abrufen.

Es sieht aus wie virtuelle Ameisenkolonie, was sich da über die Leinwand des Rosa-Luxemburg-Salons fortbewegt. Kleine graue Linie auf denen schwarze Dreiecke über eine Deutschlandkarte wandern. Einige Dreiecke leuchten gelb, andere orange oder rot. Bei der animierten Darstellung handelt es sich um den Zugmonitor der Süddeutschen Zeitung. Die Karte zeigt in Echtzeit das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn. Bei den Dreiecken handelt es sich  fahrende Züge. Blinkt ein Dreieck farbig auf, verspätet sich der entsprechende IC oder ICE. Hinter dem Projekt steckt die kleine Berliner Firma OpenDataCity.

Referent und OpenDataCity Geschäftsführer Lorenz Matzat Foto: Robert D. Meyer

Geschäftsführer ist der frühere nd-Volontär und Datenjournalist Lorenz Matzat. Im Rahmen der Münzenberg Lektionen sprach Matzat über die Chancen und Perspektiven des Datenjournalismus, eine  noch sehr junge Disziplin, die von der nach immer neuen Wegen aus der Krise suchende Medienbranche erst noch erschlossen werden muss. Es gehe darum, „Muster in den Daten zu erkennen und diese greifbar zu machen“, sagt Matzat. Als Material für ein Projekt können die unterschiedlichsten Rohdaten dienen. So entwickelte OpenDataCity unter anderem für die taz ein Tool, um den Fluss von Spendengelden an Parteien für Leser nachvollziehbarer zu gestalten. Die Grundlagen hierfür liefern die regelmäßigen Veröffentlichungen der Bundestagsverwaltung. Im Fall des Zugmonitors lesen die Entwickler mithilfe eines kleines Computerprogramms die Zuginformationen  der offiziellen DB-Webseite aus, da der Bahnkonzern die Daten nicht für jeden frei zur Verfügung stellt. Ein typisches Problem für Deutschland, findet Matzat. Im Gegensatz zu den USA seien viele Informationen staatlicher Stellen (aber auch von Unternehmen) hierzulande oft nur gegen Geld zugänglich oder die Offenlegung durch die Behörde ginge ein langwieriger Prozess voraus. In den Vereinigten Staaten gehörten die Daten des Staates dagegen „allen“, seien also „Open Data“.

Doch selbst wenn die Daten Journalisten zugänglich sind, würden sie oft nicht in vollen Umfang genutzt, womit die Daten letztlich brach lägen, so Matzat. „Daten werden oft nicht mitgedacht“, so der Journalist. Doch gerade im Bereich des Onlinejournalismus würde der richtige Umgang mit Daten ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Bisher orientiere sich dieser zu oft noch an den klassischen Medien (Print, Fernsehen, TV) und nutze sein Potenzial nicht aus. Viele Webauftritte der Verlage seien immer noch eher statisch aufgebaut und erinnerten mehr an den verlängerten Arm der Printausgabe als an ein eigenständiges Medium.

(Text und Bilder: Robert D. Meyer)

 

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